Historische Monatsanweisung Mai

Kraft läßt die Höhe gewinnen

Was der April begonnen, führt der Mai weiter. Wo bis zum 20. Juni die Haupttracht vorüber ist, hat der Imker nur bis zum 12. Mai Zeit, zu verstärktem Brutansatz anzuregen. Alles nach diesem Termin gelegte kommt zu spät. Nochmals sei es den Imkern mit Frühsommer- und Sommertracht gesagt: im Aufstieg an Schwächlinge Mühe odr gar Brutwaben zu verschwenden, ist zwecklos. Schwäche den Schwachen und stärke die Starken oder Mittelstarken mit den Brutwaben des Nachhinkenden! Laß ihm die Königinwabe, 1 oder 2 Futterwaben und gib ihm eine Wabe zum bestiften. Aber doktere nicht mit ihm herum, er bringt dir nichts.

Ausgebaute Waben und Mittelwände helfen dauernd das Brutnest zu erweitern. Aber nicht ins Uferlose. Setze der Brut eie Grenze. 8000 cm² Wabenfläche, beiderseitig besetzt, genügen. Sonst erwacht über die Volksstärke hinweg der Schwarmtrieb. Mit dem Schwarm fliegt gewöhnlich die Honigernte davon. Allenfalls ein Maischwarm kann noch etwas bringen, die vom Juni und Juli sind wertlos. Sind die 8000 cm² Brutfläche erreicht, so gib den Honigraum frei, setze verdeckelte Brut samt anhaftenden Jungbienen hinein genau über die zurückbleibende Brut und gewähre dem Volk noch eine letzte Mittelwand zu Erweiterung. Je früher diese Brutbeschränkung eintritt, um so besser ist der Honigertrag. Drücke das Brutnest nach und nach zusammen auf 4, ja 3 Ganzwaben. Bediene dich in 3- und 4-Etagern des senkrechten Absperrgitters und setze die Königin mit ihren wenigen Waben nebst dem Baurahmen hinter das Absperrgitter, also der Tür zugekehrt. Wie leicht ist dieses Brutnest durchforscht. Wer nicht so stark beschränken will, kann ja weiterhin Mittelwände geben, entnimmt aber dafür jedesmal eine verdeckelte Brutwabe samt Bienen für Nachzügler oder Ableger.

Im Mai wird tüchtig gebaut. Laß jedes Volk 4,5 Mittelwände bauen, dann ist dein Wabenwerk alle 4 Jahre erneuert. Der gesunderhaltung der Völker sehr dienlich. Im Baurahmen ziehe ich einen oder mehrere Zwischenstege ein, du schaffst damit zahlreiche Brutstellen und erntest wesentlich mehr Wachs, Schneide den Baurahmen alle 6 oder 7 Tage aus oder tausche ihn gegen einen neuen aus, wenn du den Bau für die Heidewanderung aufheben willst. So lange am Baurahmen gebaut wird, hat´s mit dem Schwärmen keine Gefahr. Ein besseres Fieberthermometer gibt es nicht. Voraussetzung für das Ausschneiden des Drohnenbaues im Baurahmen ist, dass das Volk schon 1/2 oder 1/3 Wabe Drohnenbrut hat pflegen können. Jedes Volk ist erst dann richtig im Gang, wenn es Drohnen unter sich weiß. Wer Standbefruchtung betreibt, also die Belegstelle nicht benutzt, verwehrt natürlich Drohnen aus minderwertigen Völkern das Fliegen. Er läßt im Honigraum, der kein besondees Flugloch besitzt, die Drohnen schlüpfen, fängt sie später am Bienenhausfenster ab und gibt sie als Ersatz Edeldrohnen geschlüpft oder als Brut in einer Viertelwabe wieder zu.

In starken Völkern ist neben Brut- und Bautrieb auch der Sammeltrieb sehr rege. Darum sind Wanderungen in Obst-, z.B. Sauerkirschen und Apfel, und Rapstracht, für den Städter in Wiesentracht sehr zu empfehlen. Zu Zeit der Eisheiligen erfriert manche Pollentracht und ruft die nicht leicht zu nehmenden Maikrankheit hervor. Nach Entnahme der Pollenwaben oder Auskratzen des Pollens hilft auch hier eine dünen Honiglösung. Hunger darf auch in einem ungünstigen Mai nie aufkommen. Gute Ertragsvölker mit vorbildlichen Brutstand werden schon jetzt zu Zuchtzwecken ausgewählt.

Quelle: Kalender der Leipziger Bienenzeitung 1942